Campus Westend Geschichte: Vom IG Farben-Haus zur modernen Universität

Abstract:

Entdecke die faszinierende und vielschichtige Geschichte des Campus Westend in Frankfurt, ehemals das berüchtigte IG Farben-Haus. Von seiner Errichtung als Machtzentrale eines globalen Chemiekonzerns und seiner Rolle in den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte, über seine Nutzung als Hauptquartier der US-Streitkräfte, wo wichtige Entscheidungen für die Nachkriegsordnung getroffen wurden, bis hin zu seiner heutigen Bestimmung als lebendiger und moderner Universitätscampus der Goethe-Universität – dieser Blogpost nimmt dich mit auf eine Reise durch ein Jahrhundert voller Wandel und Bedeutung. Erfahre mehr über die Architektur, die historischen Ereignisse und die symbolische Transformation dieses einzigartigen Frankfurter Wahrzeichens.

Frankfurt am Main ist eine Stadt voller Gegensätze, und kaum ein Gebäude verkörpert diese so eindringlich wie das ehemalige IG Farben-Haus, heute Herzstück des Campus Westend der Goethe-Universität. Es ist ein Ort, der von architektonischer Brillanz zeugt, aber auch eine zutiefst ambivalente Geschichte in sich trägt. Von seiner Entstehung als Machtzentrale eines globalen Chemiekonzerns, über seine Rolle in den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte und seine Transformation zum Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte, bis hin zu seiner heutigen Bestimmung als lebendiger Ort des Wissens und der Forschung – die Geschichte des Campus Westend (IG Farben) ist eine faszinierende Reise durch fast ein Jahrhundert deutscher und internationaler Geschichte. Tauche mit uns ein in die vielschichtige Vergangenheit dieses beeindruckenden Bauwerks, das bis heute die Frankfurter Skyline prägt und uns daran erinnert, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen.

Key Facts zur Campus Westend Geschichte (IG Farben)

  • Erbaut als IG Farben-Zentrale: Das Gebäude wurde zwischen 1928 und 1931 nach Plänen des Architekten Hans Poelzig für die IG Farbenindustrie AG errichtet, damals das viertgrößte Unternehmen der Welt.
  • Architektonisches Meisterwerk: Der Poelzig-Bau gilt als herausragendes Beispiel der Neuen Sachlichkeit und war seinerzeit eines der größten und modernsten Bürogebäude Europas.
  • Verstrickung in NS-Verbrechen: Die IG Farben war tief in die Verbrechen des Nationalsozialismus involviert, profitierte von Zwangsarbeit und war an der Herstellung von Zyklon B beteiligt, das in Konzentrationslagern eingesetzt wurde.
  • Hauptquartier der US-Streitkräfte: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das unversehrt gebliebene Gebäude zum Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa, wo wichtige Entscheidungen für die Nachkriegsordnung getroffen wurden.
  • Geburtsort des Grundgesetzes: Hier genehmigten die Militärgouverneure der Westzonen 1949 die sogenannten „Frankfurter Dokumente“ und später den Entwurf des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.
  • Transformation zur Universität: Nach dem Abzug der Amerikaner 1995 wurde das Gelände an das Land Hessen verkauft und seit 2001 schrittweise zum Campus Westend der Goethe-Universität umgewandelt.
  • Norbert Wollheim Memorial: Eine Gedenktafel und das Wollheim Memorial erinnern heute an die Zwangsarbeiter der IG Farben.

Ein architektonisches Meisterwerk mit dunklem Schatten

Stell dir vor, du stehst vor einem der imposantesten Gebäude Frankfurts. Das ehemalige IG Farben-Haus, oft auch einfach Poelzig-Bau genannt, ist ein Koloss aus Cannstatter Travertin, Stahl und Glas, der sich majestätisch im Westend erhebt. Entworfen wurde es von dem visionären Architekten Hans Poelzig, der damit ein Meisterwerk der „Neuen Sachlichkeit“ schuf. Von 1928 bis 1931 entstand hier, auf dem ehemaligen Grüneburggelände der Familie Rothschild, die neue Konzernzentrale der IG Farbenindustrie AG. Die Dimensionen waren atemberaubend: Neun Stockwerke, sechs Flügel und eine leicht geschwungene Hauptfassade, die sich über 250 Meter erstreckt – das war damals eines der größten Bürogebäude der Welt. Die Bauherren wollten ein „eisernes und steinernes Sinnbild deutscher kaufmännischer und wissenschaftlicher Arbeitskraft“, und Poelzig lieferte ein Design, das Moderne und Tradition auf einzigartige Weise verband. Die weitläufigen Grünanlagen, entworfen vom Frankfurter Gartenbaudirektor Max Bromme, umrahmten das Gebäude und verliehen ihm eine fast parkähnliche Anmutung.

Doch hinter dieser beeindruckenden Fassade verbirgt sich eine Geschichte, die von menschlichem Leid und Verbrechen geprägt ist. Die IG Farben war während des Nationalsozialismus tief in das Regime verstrickt. Der Konzern profitierte massiv von der Kriegswirtschaft und setzte tausende Zwangsarbeiter ein, unter anderem für den Bau der Buna-Fabrik in Auschwitz. Noch schockierender ist die Tatsache, dass eine Tochtergesellschaft der IG Farben, die Degesch, das Giftgas Zyklon B herstellte, das in den Vernichtungslagern zum Massenmord missbraucht wurde. Diese dunkle Vergangenheit darf niemals vergessen werden. Heute erinnert das Norbert Wollheim Memorial auf dem Campus an das Schicksal der Zwangsarbeiter und mahnt uns, die Geschichte kritisch zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen.

Wenn du nachdenklich über diese Aspekte nachdenkst und den Campus erkundest, könntest du im Anschluss eine kulinarische Pause einlegen. Das Restaurant gud in der Staufenstraße ist eine gute Wahl für einen schnellen, leckeren Lunch. Viele schwärmen von der Pasta dort – perfekt für eine Stärkung nach einem intensiven Geschichts-Exkurs.

Vom Hauptquartier der Alliierten zum Zentrum des Kalten Krieges

Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte einen radikalen Wendepunkt in der Geschichte des IG Farben-Hauses. Wie durch ein Wunder blieb das Gebäude bei den Luftangriffen auf Frankfurt weitgehend unversehrt. Am 27. März 1945 besetzten alliierte Truppen das Gelände, und schon bald darauf wurde es zum „Supreme Headquarters Allied Expeditionary Forces“ (SHAEF) – dem Hauptquartier der alliierten Expeditionstruppen. General Dwight D. Eisenhower, der Oberbefehlshaber der Alliierten, richtete hier sein Büro ein, und von hier aus wurden entscheidende Weichen für die Nachkriegsordnung Europas gestellt. Stell dir vor, wie in diesen Gängen und Sälen über die Entnazifizierung, den Wiederaufbau Deutschlands und die Neuordnung der politischen Landschaft beraten wurde. Hier wurde am 19. September 1945 die Proklamation Nr. 2 unterzeichnet, die Gründungsurkunde für die Bundesländer Hessen, Württemberg-Baden und Bayern. Noch bedeutsamer: Am 12. Mai 1949 genehmigten die Militärgouverneure der westlichen Besatzungszonen im IG Farben-Haus die sogenannten „Frankfurter Dokumente“ und nur wenige Tage später den Entwurf des Grundgesetzes, das damit die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland einläutete. Ein Ort, an dem die Demokratie in Deutschland ihre ersten Schritte machte – ein starker Kontrast zu seiner Entstehungsgeschichte.

Für fast fünf Jahrzehnte, bis 1995, blieb das Gebäude das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa, zeitweise sogar unter dem Namen „General Creighton W. Abrams Building“. Es entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum während des Kalten Krieges, und Gerüchten zufolge soll hier sogar eine Außenstelle der CIA untergebracht gewesen sein. Das Gelände war eine kleine amerikanische Stadt in Frankfurt, mit Truppenunterkünften, Sportflächen und sogar einem beliebten Jazzclub, dem „Terrace Club“. Das Gebäude wurde zu einem Symbol der amerikanischen Präsenz in Deutschland und spielte eine zentrale Rolle in der deutsch-amerikanischen Geschichte. Diese Zeit prägte nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch die Stadt Frankfurt und ihre Bewohner, die über Jahrzehnte hinweg eine enge, wenn auch manchmal komplexe Beziehung zu den amerikanischen Soldaten pflegten.

Nach so viel Geschichte und politischer Bedeutung hast du dir definitiv eine Stärkung verdient. Wie wäre es mit einem Besuch bei Leib & Seele – Frankfurt am Main? Das Restaurant bietet herzhafte deutsche Küche in einem modernen, aber gemütlichen Ambiente und ist bekannt für seine großen Portionen – perfekt, um neue Energie zu tanken.

Die Wiedergeburt als Campus Westend

Als die US-Streitkräfte 1995 aus Frankfurt abzogen, stand das beeindruckende Gebäudeensemble vor einer ungewissen Zukunft. Die Übergabe an die Bundesrepublik Deutschland löste eine intensive Debatte über die weitere Nutzung aus. Glücklicherweise entschied sich das Land Hessen, das Gelände für die Johann Wolfgang Goethe-Universität zu erwerben und es in einen neuen, modernen Campus zu verwandeln. Seit 2001 ist der Campus Westend nun der Hauptsitz der Universität und beherbergt die meisten geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereiche sowie die zentrale Verwaltung. Es ist eine bemerkenswerte Transformation: Ein Gebäude, das einst für Krieg und Profit stand, dient heute der Bildung, Forschung und dem friedlichen Austausch von Ideen.

Der Umbau und die Sanierung waren ein Mammutprojekt. Das historische Poelzig-Gebäude wurde behutsam restauriert, seine einzigartige Architektur bewahrt und gleichzeitig an die Bedürfnisse einer modernen Universität angepasst. Neben dem Poelzig-Bau entstanden zahlreiche Neubauten, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen und den Campus zu einem der schönsten in Europa machen. Dazu gehören das House of Finance, das Hörsaalzentrum und moderne Institutsgebäude. Auch die weitläufigen Grünflächen wurden nach den ursprünglichen Plänen neu gestaltet und laden heute zum Verweilen und Lernen im Freien ein. Der Campus Westend ist ein lebendiger Ort, an dem Studierende, Lehrende und Forschende aus aller Welt zusammenkommen. Er symbolisiert die Fähigkeit zur Erneuerung und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die aus den Schatten der Vergangenheit erwächst.

Die Architektur in Frankfurt: Alt trifft Neu ist ein spannendes Thema, und der Campus Westend ist ein Paradebeispiel dafür, wie historische Bauten eine neue Bestimmung finden können. Auch die Neuigkeiten aus Bockenheim: Uni-Geschichte und Wandel zeigen, wie sich Universitätsstandorte in Frankfurt entwickeln und anpassen. Nach einem langen Tag auf dem Campus oder bei der Erkundung der Geschichte kannst du den Abend in einem der vielen Restaurants im Westend ausklingen lassen. Das Ristorante Masi bietet beispielsweise gehobene italienische Küche in gemütlicher Atmosphäre und ist ideal für ein entspanntes Dinner nach einem Tag voller Eindrücke.

Fazit

Die Geschichte des Campus Westend (IG Farben) ist eine Spiegelung der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts – komplex, oft schmerzhaft, aber auch voller Hoffnung und Wandel. Vom imposanten Hauptsitz eines Chemiekonzerns, der sich in die dunkelsten Verbrechen der Menschheit verstrickte, über das strategische Zentrum der amerikanischen Nachkriegsverwaltung, bis hin zum heutigen pulsierenden Herzen der Goethe-Universität: Das Gebäude hat viele Gesichter gezeigt und unzählige Geschichten erlebt. Es ist ein Ort, der uns daran erinnert, wie wichtig es ist, die Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern aktiv daraus zu lernen und die Zukunft bewusst zu gestalten. Der Campus Westend ist heute nicht nur ein architektonisches Juwel und ein Ort des Lernens, sondern auch ein Mahnmal und ein Symbol für die Überwindung von Schatten und die Hinwendung zu einer offenen, wissensbasierten Gesellschaft. Wenn du das nächste Mal durch die Gänge des Poelzig-Baus gehst oder über den Campus schlenderst, nimm dir einen Moment Zeit, um über diese unglaubliche Reise nachzudenken. Es ist ein Stück Frankfurt, das uns alle angeht und inspiriert, über die Bedeutung von Geschichte, Verantwortung und Bildung nachzudenken.

FAQ

Wann wurde das IG Farben-Haus erbaut?

Das beeindruckende IG Farben-Haus, heute bekannt als Poelzig-Bau auf dem Campus Westend, wurde zwischen 1928 und 1931 errichtet.

Welche Rolle spielte das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das unversehrt gebliebene Gebäude zum Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa. Hier residierte General Dwight D. Eisenhower, und es wurden wichtige Entscheidungen für die Nachkriegsordnung Deutschlands getroffen, einschließlich der Genehmigung des Grundgesetzes.

Was ist das Norbert Wollheim Memorial?

Das Norbert Wollheim Memorial auf dem Campus Westend erinnert an die Zwangsarbeiter, die für den IG Farben-Konzern arbeiten mussten, und mahnt zur kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Welche Universität nutzt das Gebäude heute?

Seit 2001 beherbergt das ehemalige IG Farben-Haus und das umliegende Gelände den Campus Westend der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, der seither kontinuierlich ausgebaut wird.

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