
Die faszinierende Geschichte des Frankfurter Bahnhofsviertels: Mehr als nur ein Klischee
Tauche ein in die bewegte Geschichte des Frankfurter Bahnhofsviertels, einem Stadtteil, der oft missverstanden wird. Von seinen Ursprüngen als Galgenfeld über die mondäne Gründerzeit bis hin zum pulsierenden, multikulturellen Hotspot von heute – das Bahnhofsviertel hat sich immer wieder neu erfunden. Entdecke die Banker, Bordelle und Bohème, die dieses Viertel prägten, und lerne seine vielschichtigen Facetten kennen, die es zu einem einzigartigen Spiegelbild Frankfurts machen.
Willkommen in einem der schillerndsten und missverstandensten Stadtteile Frankfurts: dem Bahnhofsviertel. Viele kennen es nur von flüchtigen Blicken aus dem Zug oder von Schlagzeilen, die oft ein einseitiges Bild zeichnen. Doch hinter den Fassaden der Gründerzeitbauten, den Leuchtreklamen und dem geschäftigen Treiben verbirgt sich eine unglaublich reiche und facettenreiche Geschichte des Bahnhofsviertels, die es verdient, erzählt zu werden. Es ist eine Geschichte von radikalem Wandel, von Gegensätzen, die sich anziehen, und von einer Metamorphose, die diesen Ort zu dem gemacht hat, was er heute ist: ein urbanes Brennglas, das Frankfurts Entwicklung wie kaum ein anderer Stadtteil widerspiegelt.
Begleite uns auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte, die dir zeigt, dass die Geschichte des Bahnhofsviertels weit über das hinausgeht, was man auf den ersten Blick sieht. Du wirst überrascht sein, welche Transformationen dieser einzigartige Ort durchgemacht hat und wie er sich immer wieder neu erfunden hat, um den Geist der Zeit einzufangen.
Key Facts zur Geschichte des Bahnhofsviertels
- Ursprünge als Galgenfeld: Bevor es zum pulsierenden Viertel wurde, war das Gebiet, auf dem sich das Bahnhofsviertel heute erstreckt, im Mittelalter als „Galgenfeld“ bekannt – ein Ort der Gerichtsbarkeit und Hinrichtungen.
- Entstehung durch den Hauptbahnhof: Die eigentliche Entwicklung des Viertels begann Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau des Frankfurter Hauptbahnhofs, der 1888 eingeweiht wurde und das Gesicht der Stadt für immer veränderte.
- Mondänes Vorzeigeviertel: In seinen frühen Jahren galt das Bahnhofsviertel als modernes und mondänes Stadtviertel, geprägt von prächtigen Gründerzeitbauten, Hotels und eleganten Geschäften.
- Zerstörung und Wiederaufbau: Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch im Bahnhofsviertel tiefe Wunden. Viele der historischen Gebäude wurden zerstört, was in den 1950er Jahren einen umfangreichen Wiederaufbau nach sich zog.
- Internationaler Pelzhandel: Nach dem Krieg entwickelte sich das Viertel zu einem bedeutenden Zentrum des internationalen Pelzhandels, was ihm eine ganz besondere wirtschaftliche Prägung verlieh.
- Wandel zum Rotlicht- und Drogenmilieu: Ab Mitte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den 1960er Jahren, etablierte sich das Bahnhofsviertel als Zentrum des Rotlichtmilieus und wurde später auch mit Drogenproblematik konfrontiert.
- Gentrifizierung und kulturelle Aufwertung: In jüngster Zeit erlebt das Viertel eine deutliche Aufwertung. Es entwickelt sich zu einer international beachteten Kunst-, Kultur- und Lifestyle-Location, ohne dabei seinen rauen Charme ganz zu verlieren.
Vom Galgenfeld zum Tor zur Welt: Die frühen Jahre
Die Geschichte des Bahnhofsviertels ist eine Geschichte extremer Gegensätze. Stell dir vor, wo heute Reisende aus aller Welt ankommen und das geschäftige Leben pulsiert, war einst das „Galgenfeld“. Ja, richtig gehört! Im Mittelalter war dieses Areal außerhalb der Stadtmauern der Ort, an dem die Frankfurter Gerichtsbarkeit vollzogen wurde. Ein düsterer Beginn für ein Viertel, das später so viel Glanz und Gloria sehen sollte.
Der wahre Startschuss für die Entwicklung des heutigen Bahnhofsviertels fiel jedoch erst im späten 19. Jahrhundert. Mit der rasanten Industrialisierung und dem steigenden Bedarf an effizienten Transportwegen wurde der Bau eines zentralen Hauptbahnhofs in Frankfurt unumgänglich. 1888 öffnete der prächtige Frankfurter Hauptbahnhof seine Pforten und wurde schnell zum pulsierenden Herzstück der Stadt und zum „Tor zur Welt“. Die Gegend um den Bahnhof herum, die zuvor von drei kleineren Lokalbahnhöfen und dem Gallusanlage-Bereich geprägt war, begann sich explosionsartig zu entwickeln. Prachtvolle Gründerzeitbauten entstanden, Hotels schossen aus dem Boden und das Viertel etablierte sich als mondänes Übernachtungs-, Amüsier- und Einkaufsquartier. Hier flanierten die feine Gesellschaft, Geschäftsleute tätigten ihre Geschäfte und das Leben pulsierte in einem ganz neuen, modernen Rhythmus. Ein faszinierendes Buch, das diese Zeit beleuchtet, ist „Banker, Bordelle & Bohème: Die Geschichte des Frankfurter Bahnhofsviertels„.
Ein weiteres Highlight dieser frühen Epoche war die Internationale Elektrotechnische Ausstellung von 1891, die auf dem ehemaligen Gleisfeld stattfand. Sie war nicht nur ein Spektakel, sondern auch ein Meilenstein für die Wechselstromtechnik und zeigte Frankfurts progressiven Geist. Die Geschichte des Bahnhofsviertels ist also von Anfang an eng mit Innovation und Fortschritt verbunden.
Zwischen Zerstörung, Wiederaufbau und schillernden Schattenseiten
Die goldenen Zeiten des mondänen Bahnhofsviertels fanden mit dem Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende. Wie so viele Teile Frankfurts wurde auch dieses Viertel schwer getroffen und ein Großteil der prachtvollen Bauten lag in Trümmern. Doch Frankfurt wäre nicht Frankfurt, wenn es sich nicht wieder aufrappeln würde. In den 1950er Jahren begann der Wiederaufbau, und das Viertel erstand aus seiner Asche, wenn auch mit einem veränderten Gesicht.
Nach dem Krieg erlebte die Geschichte des Bahnhofsviertels eine weitere bemerkenswerte Phase: Es entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum des internationalen Pelzhandels. Pelzhändler aus aller Welt kamen hierher, um ihre Geschäfte zu machen, und verliehen dem Viertel einen Hauch von Luxus und Exklusivität. Gleichzeitig, ab den 1960er Jahren, begann sich eine andere Facette zu etablieren, die bis heute untrennbar mit dem Ruf des Viertels verbunden ist: das Rotlichtmilieu. Was einst als „verrufen“ galt und Dirnen sogar das Betreten größerer Einkaufsmeilen untersagte, entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Identität des Viertels. Später kamen die Drogenproblematik und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen hinzu, die das Bild des Bahnhofsviertels in der öffentlichen Wahrnehmung stark prägten. Doch selbst in diesen schwierigen Zeiten bewahrte das Viertel eine unvergleichliche Lebendigkeit und eine einzigartige Mischung aus Kulturen und Geschichten.
Für eine Stärkung nach einem Spaziergang durch die bewegte Historie empfehle ich dir das Central Grill in der Münchener Straße 17. Hier gibt es traditionelle türkische Spezialitäten, die dich mit ihrer Authentizität begeistern werden. Oder wie wäre es mit dem Im Herzen Afrikas in der Gutleutstraße 13, das dich auf eine kulinarische Reise mitnimmt? Die Vielfalt der Gastronomie spiegelt die Internationalität des Viertels wider, und du findest hier eine bunte Mischung an Aromen und Geschmäckern. Mehr zur Vielfalt der Kulinarik findest du auch in unserem Beitrag über die Gastronomie im Bahnhofsviertel.
Die Renaissance des Bahnhofsviertels: Kunst, Kultur und Lifestyle
In den letzten Jahrzehnten hat die Geschichte des Bahnhofsviertels eine weitere spannende Wendung genommen. Das Viertel erlebt eine regelrechte Renaissance und wandelt sich erneut. Während Rotlicht und Drogenproblematik weiterhin präsent sind, entwickelt sich das Bahnhofsviertel zunehmend zu einer international beachteten Kunst-, Kultur- und Lifestyle-Location. Junge Kreative, Galeristen und Gastronomen entdecken den rauen Charme und die zentrale Lage für sich. Neue Bars, Cafés und Restaurants beleben die Straßen und ziehen ein immer breiteres Publikum an.
Die Gentrifizierung ist hier, wie das Institut für Stadtgeschichte feststellt, kein neues Phänomen. Schon immer war das Bahnhofsviertel ein Ort für Immobilien- und Bodenspekulationen, wo alte Bebauung neuen Nutzungskonzepten weichen musste – von Sommerhäusern über Villen und Mietskasernen bis hin zu den heutigen Hotels, Bürobauten und Bankentürmen. Diese ständige Erneuerung ist ein Kernmerkmal der Geschichte des Bahnhofsviertels und prägt auch seine heutige Architektur in Frankfurt.
Heute ist das Bahnhofsviertel ein lebendiges Beispiel für Frankfurts Multikulturalität und urbane Dynamik. Hier treffen Banker auf Künstler, Touristen auf alteingesessene Frankfurter und Tradition auf Moderne. Es ist ein Ort, der polarisiert, aber niemanden kaltlässt. Es ist ein Viertel, das seine Vergangenheit nicht leugnet, sondern in seine Gegenwart integriert und so eine einzigartige Atmosphäre schafft, die man in kaum einer anderen Stadt findet. Wenn du Lust auf einen saftigen Burger hast, dann schau unbedingt bei Der Fette Bulle in der Kaiserstraße 73 vorbei. Dort gibt es deftige Burger in einem lebhaften Ambiente, perfekt, um das bunte Treiben des Viertels zu beobachten.
Die Geschichte des Bahnhofsviertels ist ein fortwährender Prozess, ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Veränderungen, die sich hier stets wie in einem Brennglas verschärft und früher abgezeichnet haben. Es ist ein Viertel, das sich ständig neu erfindet, ohne seine Wurzeln zu vergessen, und das gerade deshalb so faszinierend und authentisch bleibt.
Fazit
Die Geschichte des Bahnhofsviertels ist eine spannende Erzählung von Wandel und Beständigkeit, von Licht und Schatten, die diesen Frankfurter Stadtteil zu einem der faszinierendsten Orte der Mainmetropole macht. Von seinen bescheidenen Anfängen als Galgenfeld über das mondäne Gründerzeitviertel und das Zentrum des internationalen Pelzhandels bis hin zu seinen berüchtigten, aber auch lebendigen Schattenseiten und der heutigen kulturellen Aufwertung – das Bahnhofsviertel hat jede Epoche Frankfurts hautnah miterlebt und geprägt.
Es ist ein Ort, der Klischees bedient und sie gleichzeitig sprengt, ein Mikrokosmos, in dem die Vielfalt des urbanen Lebens in all ihren Facetten sichtbar wird. Die Banker, Bordelle und Bohème, die dieses Viertel über die Jahre bevölkerten, haben eine einzigartige Patina hinterlassen, die man heute noch spüren kann. Das Bahnhofsviertel ist ein Beweis dafür, dass Geschichte nicht nur in Museen stattfindet, sondern lebendig in den Straßen, Gebäuden und den Menschen einer Stadt weiterlebt. Es ist ein Viertel, das dich einlädt, genauer hinzusehen, Vorurteile abzulegen und seine vielschichtige Schönheit und seine unzähligen Geschichten selbst zu entdecken. Die Geschichte des Bahnhofsviertels ist noch lange nicht zu Ende geschrieben – sei gespannt, was die Zukunft für diesen einzigartigen Ort bereithält.
FAQ
Welche historische Bedeutung hatte das Bahnhofsviertel vor dem Bau des Hauptbahnhofs?
Bevor der Hauptbahnhof Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, war das Gebiet des heutigen Bahnhofsviertels als ‚Galgenfeld‘ bekannt. Es diente im Mittelalter als Hinrichtungsstätte außerhalb der damaligen Stadtmauern.
Wie hat sich das Image des Bahnhofsviertels im Laufe der Zeit verändert?
Das Bahnhofsviertel war zunächst ein mondänes und modernes Vorzeigeviertel mit prächtigen Gründerzeitbauten. Nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere ab den 1960er Jahren entwickelte es sich zum Zentrum des Rotlichtmilieus und wurde auch mit Drogenproblematik assoziiert. In jüngster Zeit erlebt es eine kulturelle Aufwertung und wird als vielfältige Kunst-, Kultur- und Lifestyle-Location wahrgenommen, behält aber seine rauen Facetten bei.
Welche Rolle spielte der Pelzhandel in der Geschichte des Bahnhofsviertels?
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Frankfurter Bahnhofsviertel zu einem bedeutenden Zentrum des internationalen Pelzhandels. Händler aus aller Welt kamen hierher, um Geschäfte zu machen, was dem Viertel eine wirtschaftlich wichtige und exklusive Prägung verlieh.






