Der Europaturm: Ein Frankfurter Wahrzeichen zwischen Geschichte, Wandel und Zukunft

Abstract:

Der Europaturm, liebevoll „Ginnheimer Spargel“ genannt, ist ein ikonisches Frankfurter Wahrzeichen mit einer reichen Geschichte. Er wurde von 1974 bis 1979 als Fernmeldeturm gebaut und war mit seiner Kanzel in 227 Metern Höhe und einem Drehrestaurant ein beliebter Anziehungspunkt. Seit 1999 ist er aus Brandschutzgründen für die Öffentlichkeit geschlossen, dient aber weiterhin als wichtiger Telekommunikations- und Mobilfunkstandort. Aktuell gibt es Debatten und Bemühungen zur Wiedereröffnung, die jedoch an Finanzierungsfragen scheitern. Der 2019 unter Denkmalschutz gestellte Turm bleibt ein faszinierendes Symbol für Frankfurts technischen Fortschritt und seine Skyline.

Frankfurt am Main, die Stadt der imposanten Wolkenkratzer und des pulsierenden Finanzwesens, ist bekannt für ihre atemberaubende Skyline. Doch inmitten dieser modernen Architektur thront ein Bauwerk, das eine ganz eigene, faszinierende Geschichte erzählt: der Europaturm. Von den Frankfurtern liebevoll „Ginnheimer Spargel“ genannt, ist dieser Gigant nicht nur ein technisches Wunderwerk, sondern auch ein Stück gelebte Stadtgeschichte. Begleite uns auf eine Reise durch die Zeit, die die Höhen und Tiefen dieses ikonischen Turms beleuchtet – von seiner Entstehung als Fernmeldeturm bis zu den aktuellen Debatten um seine Wiedereröffnung für die Öffentlichkeit. Tauche ein in die Welt des Europaturms und entdecke, warum er weit mehr ist als nur ein Antennenträger.

Key Facts zum Europaturm

  • Höhe: Mit 337,5 Metern (nach dem Antennenwechsel 2004) ist der Europaturm der zweithöchste Fernmeldeturm Deutschlands. Seine ursprüngliche Höhe betrug 331,15 Meter.
  • Spitznamen: Im Volksmund ist er als „Ginnheimer Spargel“ oder einfach „Fernsehturm“ bekannt, obwohl er anfänglich keine Fernsehsignale übertrug.
  • Bauzeit: Der Bau durch die Deutsche Bundespost dauerte von 1974 bis 1979 und kostete damals 75 Millionen D-Mark, was heute etwa 104 Millionen Euro entspricht.
  • Kanzel: In 227 Metern Höhe befindet sich die weltweit breiteste Turmkanzel mit 59 Metern Durchmesser und sechs Stockwerken.
  • Öffentliche Nutzung: Bis 1999 beherbergte die Kanzel ein Drehrestaurant und eine Diskothek, bevor sie aus Brandschutzgründen für die Öffentlichkeit geschlossen wurde.
  • Denkmalschutz: Seit Oktober 2019 steht der Europaturm unter Denkmalschutz, was seine kulturelle und historische Bedeutung unterstreicht.
  • Aktuelle Nutzung: Er dient weiterhin als wichtiger Standort für Telekommunikation, Mobilfunk, Richtfunk und wird sogar vom Aufzugshersteller Schindler als Testturm genutzt.

Die Geburt eines Riesen: Architektur und Bau

Die Geschichte der Frankfurter Skyline ist reich an beeindruckenden Bauwerken, doch der Europaturm nimmt eine Sonderstellung ein. In den 1970er Jahren, als Frankfurt immer höher hinauswuchs und die bestehenden Fernmeldehochhäuser in der Innenstadt nicht mehr ausreichten, um die Richtfunkstrecken frei zu halten, musste eine Lösung her. Die Deutsche Bundespost beauftragte den Architekten Johannes Möhrle, zusammen mit Peter Metzger und Erwin Heinle, ein neues Wahrzeichen zu schaffen. Der Bau begann 1974 im Stadtteil Bockenheim, einem Standort, der bewusst außerhalb der Innenstadt gewählt wurde, um eine ungestörte Sicht zum Taunus zu gewährleisten.

Fünf Jahre lang wurde mit einer Kletterschalung Meter um Meter in die Höhe betoniert. Der Turmschaft, der am Fuß 20 Meter Durchmesser misst und sich nach oben auf 11 Meter verjüngt, ruht auf einem 18,50 Meter tiefen Ringfundament. Doch das wahre Meisterwerk ist die Kanzel in 227 Metern Höhe. Mit einem Durchmesser von 59 Metern ist sie nicht nur die weltweit breiteste ihrer Art, sondern auch ein architektonisches Wunderwerk aus Beton, Stahl und Aluminium. Die Architekten hatten den Wunsch, die großen Richtfunk-Muschelantennen optisch zu integrieren. Sie wurden kopfüber unter einem zurückspringenden Ring der Kanzel angebracht, sodass der Eindruck eines glatten Kegelstumpfes entstand – eine Designlösung, die heute, da die Muschelantennen längst verschwunden sind, einen leeren, breiten Ring hinterlässt.

Glanz und Gloria: Die goldenen Jahre des „Ginnheimer Spargels“

Nach seiner Inbetriebnahme 1979 war der Europaturm nicht nur ein wichtiger Knotenpunkt für das Fernmeldewesen – hier befand sich der „Tonstern“, der die Programmübernahmen und -verteilungen für die ARD-Rundfunkanstalten regelte –, sondern auch ein Publikumsmagnet. In den unteren Etagen der Kanzel öffneten ein Drehrestaurant und eine Diskothek ihre Pforten. Stell dir vor, du genießt ein exquisites Abendessen, während sich der Boden langsam dreht und dir einen 360-Grad-Blick über das gesamte Rhein-Main-Gebiet bietet!

Millionen von Touristen, Gourmets und Partygängern strömten auf den Turm. In der Diskothek „Sky-Tower“, die von 1989 bis 1997 existierte, traten sogar Schlagerstars wie Rex Gildo auf. Viele Frankfurter haben noch lebhafte Erinnerungen an diese Zeit, an ausgelassene Abende hoch über den Dächern der Stadt. Doch der Traum vom öffentlichen Zugang endete abrupt im Jahr 1999. Brandschutzauflagen, die einen Millionenaufwand für die Modernisierung erfordert hätten, führten zur Schließung. Seitdem ist der „Ginnheimer Spargel“ für die breite Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, und viele sehnen sich nach seiner Wiedereröffnung.

Wandel und neue Aufgaben: Der Turm heute

Auch wenn der Europaturm seine ursprüngliche Rolle als öffentlicher Aussichtspunkt verloren hat, ist er keineswegs untätig. Als Nachfolgerin der Deutschen Bundespost nutzt die Deutsche Telekom den Turm weiterhin intensiv. Er dient als Empfangsstation für Satellitensignale, die von hier aus terrestrisch oder über das Kabelnetz in Frankfurt und Südhessen verteilt werden. Auch Mobilfunkantennen und Richtfunkanlagen sind nach wie vor in Betrieb, teilweise als wichtige Reserve für den Fall, dass Glasfaserverbindungen ausfallen sollten.

Ein spannendes Detail: Der Aufzugshersteller Schindler testet hier Komponenten für neue Fahrstühle – ein wahrhaft hohes Labor! Sogar die Deutsche Börse nutzt den Europaturm für den Hochfrequenzhandel, um direkt mit anderen Börsen verbunden zu sein. Der Turm ist somit ein stiller, aber unverzichtbarer Akteur in der modernen Kommunikations- und Finanzwelt. Und nachts? Die Antennenplattformen, die früher in Telekom-Magenta erstrahlten, werden heute zu besonderen Anlässen in verschiedenen Farben illuminiert, wie zum Beispiel in Grün anlässlich des Tages der Kinderhospizarbeit.

Für eine kulinarische Auszeit nach einem Blick auf den Spargel, empfehle ich dir das Ginkgo in Bornheim (Berger Str. 81, 60316 Frankfurt am Main). Hier gibt es eine vielfältige Küche von Thai Curries bis Pasta, perfekt für einen entspannten Abend. Oder, wenn du es etwas exklusiver magst und in der Nähe des Diplomatenviertels in Bockenheim bist, ist die Villa Merton (Am Leonhardsbrunn 12, 60487 Frankfurt am Main) eine ausgezeichnete Wahl. Das Sternerestaurant bietet gehobene Küche in einem stilvollen Ambiente.

Zukunftsvisionen: Der Spargel im Wartestand

Die Frage nach einer Wiedereröffnung des Europaturms für die Öffentlichkeit beschäftigt viele Frankfurter. Seit Oktober 2019 steht der Turm unter Denkmalschutz, was seine Bedeutung als Kulturgut unterstreicht und neue Möglichkeiten für Fördergelder eröffnet. Eine Machbarkeitsstudie schätzte den Investitionsbedarf für die brandschutztechnische Ertüchtigung – unter anderem sind zwei getrennte Rettungswege und ein Feuerwehraufzug erforderlich – auf rund 50 Millionen Euro. Der Bund hatte zugesagt, die Hälfte der Sanierungskosten zu tragen, wenn das Land Hessen und die Stadt Frankfurt die andere Hälfte übernehmen würden.

Doch die Verhandlungen stocken. Politische Veränderungen und die Prioritätensetzung in der Stadt haben dazu geführt, dass sich Land und Stadt bis Ende 2025 nicht auf eine gemeinsame Kofinanzierung einigen konnten. „Langfristig ist das sicher eine schöne Sache, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Öffnung des Fernmeldeturms derzeit Priorität hat“, so ein Frankfurter Fraktionschef der Grünen. Trotzdem bleibt die Hoffnung vieler Frankfurter bestehen, dass ihr „Ginnheimer Spargel“ eines Tages wieder für alle zugänglich sein wird, um erneut einen atemberaubenden Blick über die Stadt zu ermöglichen. Vielleicht können wir ja bald wieder von einer Rooftop Bar in Frankfurt auf den Europaturm blicken, während dieser selbst Besucher empfängt.

Fazit

Der Europaturm ist ein faszinierendes Bauwerk, das die technische Entwicklung und die Geschichte Frankfurts auf einzigartige Weise widerspiegelt. Von seiner visionären Konstruktion in den 1970er Jahren über seine Glanzzeit als öffentlicher Treffpunkt bis hin zu seiner heutigen Rolle als unverzichtbarer Kommunikationsknotenpunkt – der „Ginnheimer Spargel“ hat viele Kapitel in seinem Buch geschrieben. Seine Geschichte ist ein Zeugnis für Ingenieurskunst, gesellschaftlichen Wandel und die ständige Anpassung an neue Technologien. Die Debatte um seine Wiedereröffnung zeigt, wie tief der Turm im Herzen der Frankfurter verankert ist und welche Sehnsucht nach seiner einstigen Funktion als Aussichtspunkt besteht. Ob und wann die Türen des Europaturms wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Seine Präsenz in der Frankfurter Skyline und seine reiche „Europaturm Geschichte“ werden weiterhin Generationen von Bewohnern und Besuchern gleichermaßen begeistern und faszinieren.

FAQ

Warum ist der Europaturm für die Öffentlichkeit geschlossen?

Der Europaturm wurde 1999 für die Öffentlichkeit geschlossen, da die Brandschutzauflagen für den Besucherbetrieb mit einem Millionenaufwand zu erfüllen gewesen wären. Das Restaurant und die Diskothek in der Kanzel konnten daher nicht mehr betrieben werden.

Wie hoch ist der Europaturm und welche Spitznamen hat er?

Der Europaturm ist 337,5 Meter hoch, nachdem seine Antenne im Jahr 2004 ausgetauscht wurde. Im Frankfurter Volksmund wird er liebevoll „Ginnheimer Spargel“ genannt, obwohl sein offizieller Name Europaturm ist. Er wird auch oft einfach als „Fernsehturm“ bezeichnet.

Wird der Europaturm wieder für Besucher geöffnet?

Es gibt seit Jahren Bestrebungen, den Europaturm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Bund hat bereits 25 Millionen Euro für die Sanierung zugesagt. Die Wiedereröffnung scheitert jedoch bisher an der fehlenden Kofinanzierung durch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt, die sich nicht auf die Übernahme der restlichen Kosten von schätzungsweise 25 Millionen Euro einigen konnten.

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