
Apfelwein-Kultur: Dein flüssiges Gold Frankfurts im Wandel der Zeit
Tauche ein in die faszinierende Welt der Apfelwein-Kultur, einem lebendigen Stück hessischer Identität, das seit 2022 sogar UNESCO Immaterielles Kulturerbe ist. Entdecke die Ursprünge des ‚Stöffche‘, seine traditionelle Herstellung auf Streuobstwiesen und die einzigartige Gemeinschaft, die sich um Bembel und Geripptes rankt. Von urigen Apfelweinwirtschaften in Sachsenhausen bis zu modernen Interpretationen – erfahre alles über Frankfurts flüssiges Gold und wie es sich stetig weiterentwickelt.
Gude, liebe Apfelwein-Freunde! Wenn du an Frankfurt denkst, kommen dir wahrscheinlich zuerst die imposante Skyline und vielleicht die Grüne Soße in den Sinn. Doch es gibt ein weiteres, tief verwurzeltes Symbol, das unsere Mainmetropole und ganz Hessen prägt wie kaum etwas anderes: die Apfelwein-Kultur. Sie ist mehr als nur ein Getränk; sie ist ein Lebensgefühl, eine Tradition und seit Neuestem sogar offiziell anerkanntes Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Begleite uns auf eine Reise durch die Geschichte, die Herstellung und die Zukunft dieses einzigartigen Genusses, der uns alle verbindet.
Key Facts zur Apfelwein-Kultur
- UNESCO Immaterielles Kulturerbe: Seit 2022 ist die hessische Apfelweinkultur offiziell im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gelistet.
- Historische Wurzeln: Die Apfelweinherstellung in Frankfurt reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als der Weinanbau durch Klimaverschlechterung und städtische Verbote zurückging und der Apfelbaum zum Retter wurde.
- Streuobstwiesen: Die Bewirtschaftung dieser ökologisch wertvollen Lebensräume ist ein zentraler Bestandteil der Apfelwein-Kultur und essenziell für die Vielfalt der Apfelsorten.
- Gemeinschaftsgedanke: Apfelwein verbindet! Ob beim gemeinsamen Keltern, auf Apfelweinfesten oder in den urigen Wirtschaften – das ‚Stöffche‘ fördert das Miteinander.
- Das heilige Dreigestirn: Bembel (Krug), Geripptes (Glas) und Schobbedeckelche (Deckel) sind die unverzichtbaren Utensilien, die zur authentischen Apfelwein-Erfahrung gehören.
- Vielfalt im Geschmack: Von ’sauer‘ bis ’süßgespritzer‘, pur oder gemischt – die Apfelwein-Kultur bietet eine breite Palette an Geschmacksrichtungen für jeden Gaumen.
Apfelwein: Mehr als nur ein Getränk – Ein Kulturgut mit UNESCO-Siegel
Die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO im Jahr 2022 war ein Meilenstein für die hessische Apfelwein-Kultur. Was bedeutet das eigentlich? Es ist eine Würdigung des über Generationen weitergegebenen Wissens und Könnens rund um die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen, die traditionelle Apfelweinherstellung und die dazugehörigen Bräuche. Diese Entscheidung unterstreicht die tiefe Verbundenheit der Menschen in Hessen mit ihrem ‚Stöffche‘ und die Bedeutung, die es für die regionale Identität hat.
Streuobstwiesen sind dabei nicht nur Lieferanten für die Äpfel, die zu unserem Lieblingsgetränk werden. Sie sind auch unschätzbar wertvolle Biotope, die eine enorme Artenvielfalt beherbergen und unsere Landschaft prägen. Die Pflege dieser Wiesen, das Wissen um alte Obstsorten und nachhaltige Anbaumethoden sind Teil dieses Kulturerbes. Es geht um den Erhalt einer Kulturlandschaft, die ohne die Apfelwein-Kultur vielleicht verloren ginge. Vereine und Initiativen engagieren sich hier mit Leidenschaft, geben ihr Wissen weiter und sorgen dafür, dass diese Tradition lebendig bleibt.
Von der Wiese ins Gerippte: Die Kunst der Apfelweinherstellung
Die Herstellung von Apfelwein ist eine Kunst für sich, die viel Erfahrung und Hingabe erfordert. Es beginnt mit der sorgfältigen Auswahl der Äpfel, oft von alten, regionalen Streuobstsorten, die dem Apfelwein seinen charakteristischen Geschmack verleihen. Nach der Ernte werden die Äpfel gewaschen, gemaischt und anschließend gepresst. Der so gewonnene Apfelmost wird dann mit Hefe versetzt und gärt. Dieser Gärprozess ist entscheidend für die Entwicklung der würzig-fruchtigen Aromen, die den Apfelwein so einzigartig machen.
Traditionell findet dieser Prozess oft in kleinen Familienbetrieben oder Keltergemeinschaften statt. Hier wird das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben, oft mit eigenen kleinen Geheimnissen und Kniffen, die jedem Apfelwein seinen individuellen Charakter verleihen. Das Ergebnis ist ein Getränk, das pur, als ’sauer‘ oder ’süßgespritzer‘ (mit Mineralwasser oder Limonade verdünnt) genossen wird. Die Bandbreite reicht von mild und fruchtig bis hin zu herb und kräftig – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und wer experimentierfreudig ist, findet auch immer öfter Apfelweine, die mit Mispel, Quitte oder Honig verfeinert werden, was der traditionellen Herstellung neue, spannende Facetten verleiht.
Das Herz der Apfelwein-Kultur: Die Frankfurter Apfelweinwirtschaften
Wo schmeckt das ‚Stöffche‘ am besten? Natürlich in einer echten Frankfurter Apfelweinwirtschaft! Diese urigen Lokale sind das soziale Zentrum der Apfelwein-Kultur und bieten eine unvergleichliche Atmosphäre. Hier trifft man sich, philosophiert über Gott und die Welt, ‚babbelt‘ einfach drauflos und genießt die deftige hessische Küche. Klassiker wie Handkäs mit Musik, Frankfurter Rippchen mit Kraut oder Grüne Soße mit Ei und Kartoffeln sind die perfekten Begleiter zum Apfelwein.
In Sachsenhausen, dem traditionellen Herzen der Apfelwein-Kultur, findest du eine Vielzahl solcher Wirtschaften. Ein absoluter Klassiker ist die Apfelweinwirtschaft Atschel in der Wallstraße 7. Seit über 100 Jahren werden hier in gemütlicher Holzvertäfelung oder im idyllischen Garten traditionelle Speisen und natürlich hervorragender Apfelwein serviert. Nur einen Katzensprung entfernt liegt die Apfelweinwirtschaft Frau Rauscher in der Klappergasse 8, bekannt für ihre Frankfurter Grüne Soße und ihre rustikale Tavernenatmosphäre. Und direkt daneben, ebenfalls in der Wallstraße 5, lädt die Apfelwein-Wirtschaft Fichtekränzi mit ihrem charmanten Garten zu Apfelwein und hessischen Spezialitäten ein.
Das Erlebnis in einer Apfelweinwirtschaft ist geprägt von den ikonischen Gefäßen: Der Bembel, ein graublauer Steinkrug, in dem der Apfelwein auf den Tisch kommt, und das Gerippte, ein spezielles Glas mit Rautenmuster, das für besseren Halt sorgt und den Apfelwein optisch aufwertet. Und nicht zu vergessen: das Schobbedeckelche, ein kleiner Deckel, den man früher selbst mitbrachte, um Insekten und andere ungebetene Gäste vom Getränk fernzuhalten. Diese Traditionen machen den Besuch zu einem authentischen Erlebnis, das du dir nicht entgehen lassen solltest, wenn du die Apfelwein-Kultur Frankfurts wirklich kennenlernen möchtest.
Zukunft der Apfelwein-Kultur: Innovation trifft Tradition
Die Apfelwein-Kultur ist keineswegs statisch; sie entwickelt sich ständig weiter. Während die Bewahrung der Traditionen von größter Bedeutung ist, gibt es auch einen spürbaren Aufbruch in der Szene. Jüngere Kelterer experimentieren mit neuen Apfelsorten, Gärverfahren und Fasslagerungen, um innovative ‚Craft-Apfelweine‘ zu kreieren, die neue Zielgruppen ansprechen. Es entstehen moderne Apfelweinbars und -konzepte, die das traditionelle Getränk in einem zeitgemäßen Rahmen präsentieren.
Festivals wie das Frankfurter Apfelweinfestival am Roßmarkt sind wichtige Plattformen, um diese Vielfalt zu feiern und sowohl Tradition als auch Innovation zu würdigen.Sie zeigen, dass die Apfelwein-Kultur lebendig ist und sich immer wieder neu erfindet, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Die Leidenschaft für das ‚Stöffche‘ ist ungebrochen und wird von einer neuen Generation mit frischen Ideen und großem Respekt vor dem Erbe weitergetragen. Wenn du mehr über die Ursprünge erfahren möchtest, empfehle ich dir unseren Beitrag über Die faszinierende Geschichte des Apfelweins.
Fazit
Die Apfelwein-Kultur ist ein unverzichtbarer Bestandteil der hessischen Identität und ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Tradition und Moderne Hand in Hand gehen können. Die Anerkennung als UNESCO Immaterielles Kulturerbe ist eine wohlverdiente Auszeichnung für all jene, die sich mit Herzblut für den Erhalt der Streuobstwiesen, die Pflege des Handwerks und die Förderung der Gemeinschaft einsetzen. Ob du nun ein Liebhaber des klassischen ‚Sauergespritzten‘ bist oder neugierig auf innovative Kreationen – die Welt des Apfelweins bietet unzählige Möglichkeiten zum Entdecken und Genießen.
Besuche eine der urigen Apfelweinwirtschaften in Frankfurt, tauche ein in die einzigartige Atmosphäre und erlebe selbst, warum das ‚Stöffche‘ so viel mehr ist als nur ein Getränk. Es ist ein Stück Heimat, ein Symbol für Geselligkeit und ein Genuss, der verbindet. Die Apfelwein-Kultur lebt, sie entwickelt sich weiter und lädt dich ein, Teil ihrer faszinierenden Geschichte zu werden. Auf die Apfelwein-Kultur – zum Wohl!
FAQ
Was bedeutet es, dass die Apfelwein-Kultur UNESCO Immaterielles Kulturerbe ist?
Die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes würdigt die Apfelwein-Kultur als lebendige Tradition, die Wissen und Können rund um Streuobstwiesen, Apfelweinherstellung und Bräuche über Generationen hinweg bewahrt und weitergibt. Es ist eine Anerkennung ihrer kulturellen Bedeutung für Hessen.
Wo finde ich die besten Apfelweinwirtschaften in Frankfurt?
Das traditionelle Zentrum der Apfelweinwirtschaften ist Frankfurt-Sachsenhausen. Dort findest du viele urige Lokale wie die Apfelweinwirtschaft Atschel, die Apfelweinwirtschaft Frau Rauscher und die Apfelwein-Wirtschaft Fichtekränzi, die alle für ihre authentische Atmosphäre und hessische Spezialitäten bekannt sind.
Welche Speisen passen traditionell zum Apfelwein?
Zum Apfelwein werden klassischerweise deftige hessische Gerichte serviert. Dazu gehören Handkäs mit Musik (marinierter Harzer Käse), Frankfurter Rippchen mit Kraut (geräucherte Schweinerippchen mit Sauerkraut) und die berühmte Frankfurter Grüne Soße mit Salzkartoffeln und Eiern.
Was sind Bembel, Geripptes und Schobbedeckelche?
Der Bembel ist der typische graublaue Steinkrug, in dem der Apfelwein serviert wird. Das Gerippte ist das geriffelte Glas, aus dem der Apfelwein getrunken wird. Das Schobbedeckelche ist ein kleiner Deckel, der früher zum Schutz des Getränks verwendet wurde und heute oft als Sammlerstück dient.
Gibt es auch moderne Entwicklungen in der Apfelwein-Kultur?
Ja, neben der Pflege traditioneller Methoden gibt es eine wachsende Szene von ‚Craft-Apfelweinen‘ und innovativen Kelterern, die mit neuen Apfelsorten, Gärverfahren und Geschmacksrichtungen experimentieren. Moderne Apfelweinbars und Events tragen dazu bei, die Apfelwein-Kultur auch für jüngere Generationen attraktiv zu machen.






